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Im Nord-Osten des Dörfchens liegt die Graf-Gerlachsburg.

Die nach strategischen Gesichtspunkten am günstigsten gelegene Turmburg des Netpherlandes war die Graf-Gerlachsburg bei Sohlbach. Sie liegt auf einem als Bergzunge ausgebildeten Südwestausläufers des Dicken Rücken (621m) in der Nähe der alten vorgeschichtlichen Süd-Nord-Verbindung, der Eisenstraße, in 515m Höhe. Unter Ihrem Namen kommt sie nach Feststellungen von Hermann Böttger zuerst in einem Lagerbuch des Stiftes Keppel vom Jahr 1713 vor. Aber damals war sie schon längst verlassen und verfallen. Ihre Überlieferung im Lagerbuch von 1713 geht auf ein noch älteres Lagerbuch zurück, das nicht mehr nachweisbar ist. Der Name der Burg, der für die Siegerländer Verhältnisse etwas ungewöhnlich ist, könnte in einen gewissen Zusammenhang mit einem Grafen Gerlach von Nassau, der von etwa 1280 bis 1361 nachweisbar ist, gebracht werden.
Gerlach war ein Sohn des aus der walramischen Linie des Geschlechtes Nassau hervorgegangenen deutschen Königs Adolf (1292-1298). Er schließt u.a. mit seinem Verwandten, dem Grafen Heinrich von Nassau und dessen Sohn Otto und dem Grafen Siegfried von Wittgenstein am 28. April 1338 ein Landfriedensbündnis ab. Vielleicht stammt aus dieser Zeit der Namen der als Straßensicherung dienenden Graf-Gerlachs Burg , deren ursprünglichen Entstehung aber nach dem Befund und den Bodenfunden zu urteilen, zeitlich früher angesetzt werden muß.
Hermann Böttger hat nachgewiesen, dass aus dem Wittgensteiner Land, und zwar von Erndtebrück aus, eine alte Wegeverbindung (hoowech) über das Wegebacher Feld (Ginsberger Heide) nach Afholderbach und weiter nach Niedernetphen verlief.
Sie ist zuerst 1345 urkundkich belegt und führt noch heute die Bezeichnung “ Berleburger Kohlenstraße “. Der alte “ Hohe Weg “ ist von der Ginsberger Heide aus bis etwa 700m südlich des alten Schlages bei Lützel mit der Eisenstraße gleichgelaufen.
Hier zweigte er ab und führte etwa 150m nördlich an der etwa 35m tiefer gelegenen Graf-Gerlachs Burg vorbei über den nach Südenwesten vorstoßenden langgezogenen Rücken des Nöchel (nordwestlich Sohlbach) und erreichte am Zusammenfluß von Hohe Netphe (fälschlich Hohl-Netphe) und Alte Netphe das auf Niedernetphen zufallende Netphetal.

Böttger ist der Ansicht, dass auf dieser alten Wegeverbindung die ersten Boten des Christentums in das Siegerland gekommen sind und sieht in ihr die kürzeste Verbindung zwischen dem mittelalterlichen Dekanatssitz Arfeld und dem kirchlichen Mittelpunkt Netphen. Nach der Lage der an dieser Wegeverbindung liegenden Burg zu urteilen, ist deren Verwendung als Grenzschutz und Wegesicherung anzunehmen.
Sie hat vermutlich schon vor Errichtung der Ginsburg auf dem Schloßberg bei Vormwald bestanden und diese nach deren Erbauung um 1250 wesentlich ergänzt.

Nicht nur die Eintragung im Keppelschen Lagerbuch 1713 weist auf die Burg hin. Noch heute sind in den ältesten Flurkarten aus dem vorigen Jahrhundert zwei Flurnamenvermerkt, die sich ebenfalls auf die einstige Befestigung beziehen. So heißt eine Geländestelleunmittelbar nordwestlich der Bergzunge “ an der Burg “ und eine weitere, südwestlich der Burg, an der Einmündung des Burgseifens in die Hohe Netphe gelegen, “ Im Burgseifen “.
In den dreißiger Jahren hat Hermann Böttger in Verbindung mit dem Prähistoriker Heinz Behagel aus Siegen eine Begehung der Bergzunge vorgenommen und nach den vermuteten Mauerresten Ausschau gehalten.
Es sind damals einige Schnitte angelegt worden. Leider liegt kein Grabungsbericht darüber vor. Böttger hat lediglich mitgeteilt, daß einige Sohlbacher Einwohner, u.a. der Urgroßvater des damaligen Gastwirtes Karl Schäfer, um 1850 Mauersteine zum Hausbau von der Burgruine abgetragen haben.
Im Zusammenhang mit der von einigen Heimatfreunden seit fünf Jahren betriebenen Burgenforschung wurde am 11.September 1983 eine erneute Begehung und Untersuchung gestartet. Bauingenieur Josef Thyssen aus Netphen und der Verfasser führten mit zwei interessierten Jugendlichen aus Netphen am 24. September die ersten Suchgrabungen aus. Zunächst wurde die kleine Bergkuppe vermessen und dann nach Zustimmung des Haubergvorstehers Krämer von Sohlbach gelichtet. Das leicht nach Süden zu abfallende Plateau hat eine Größe von etwa acht mal zehn Meter.
An der höchsten Stelle (515m über NN) tritt der Grauwackenfels zutage, der an mehreren Stellen im rechten Winkel abgetragen war und sehr wahrscheinlich als Fundament für die Anlage gedient hat.
In einer rund 15cm starken Erdschicht unmittelbar über dem Fels konnte eine etwa 5,5 cm lange und 4cm breite Wandscherbe eines Topfes geborgen werden. Es handelte sich um sogenannte metallischgraue Tonware aus der Zeit des 12./13. Jahrhunderts. Schon am 11.September wurde bei der ersten Begehung eine kleinere Wandscherbe, vom Regen freigespült, geborgen, die ebenfalls in die angegebene Zeit datiert wird. Mauerreste wurden leider im Bodenverband sitzend noch nicht festgestellt. Jedoch finden sich an verschiedenen Stellen auf der Kuppe und an ihrem etwa 25m steil abfallenden Osthang eine große Menge von mächtigen, mauergerechten Bruchstein vor, die vom Mauerwerk der Burg stammen müssen.

Bernd Krafft aus Netphen fand in einem Suchschnitt das Bruchstück eines rechteckig geformten und an der Vorderkante gerundeten Steines (Sandstein), der von einer Fensterbrüstung stammen könnte.
Es kann aber schon jetzt die Meinung vertreten werden, daß die Burg etwa sechs mal acht Meter im Grundriß gemessen hat und nur aus einem Steinturm, der vielleicht in seinem Oberteil einen Fachwerkaufsatz hatte, bestanden hat. Etwa 30m vom Plateau entfernt zieht sich ein größtenteils in den Fels der Bergzunge eingekerbter Halsgraben von rund 90m Länge hin, der an seiner breitesten Stelle nördlich der Burg etwa fünf Meter breit und rund vier Meter tief ist.
Das etwa 1000 Meter südwestlich der Burg gelegene Dörflein Sohlbach wird zuerst im Bickener Mannbuch für das Jahr 1344 urkundlich genannt. 1439 hören wir von einem Sankt-Antonius-Brief von Sohlbach und 1467 von den erheblichen Waldverwüstungen des nassauischen Oberamtmannes Philipp dem Alten von Bicken im “ hoegeweld “ zu Sohlbach.
Im Jahr 1554 wird zuerst das gräflich - nassauische Gut erwähnt und 1566 führt das Schatzungsbuch des Amtes Netphen einen Hof des Grafen von Nassau und einen des Klosters Keppel auf. Der Keppelsche Hof war noch 1805 nach der Renteirechnung des Fürstentums Siegen vorhanden. 1818 hatte das Dorf 6 Häuser und 57 Einwohner.

Sohlbach ist in den letzten Jahren ein viel besuchter Ausflugsort geworden. Seine hervorragende Lage inmitten einer bezaubernden Umgebung haben es für den Fremdenverkehr anziehend gemacht.
Schöne Spazierwege zur Eisenstraße, nach Forsthaus Hohenroth oder der Alten Burg (Wallburg) sowie zum Sohlbacher Weiher locken zum Wochenende viele Siegerländer an. Es wäre wünschenswert, die Kuppe mit den letzten Resten der Graf-Gerlachs Burg zu einem Aussichtspunkt auszugestalten, da sich von hier ein wundervoller Blick auf die Siegerländer Bergwelt bietet.

Aber alles bleibt bei Vermutungen. Die einen sprechen von einer Turmburg zur Sicherung der Eisen- und Kohlenstraße, die anderen von einem Raubritter Nest. Man wird es nie ergründen…

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